10.04.2017

Demokratie braucht Orientierung

Bürgerdialog: Gemeinsam gegen bewusste Falschinformationen / Fuchtel: Leistungen der Volkshochschulen stärker würdigen

Freudenstadt: Demokratie braucht Orientierung und Begegnung, denn sie ist keine Insel im politischen Geflecht. Umso wichtiger ist es in Zeiten von Fake-News, der politischen Bildung noch mehr Bedeutung beizumessen, sind sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Marc Vogt, stellvertretender Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) Freudenstadt, einig.

 

Als das Infomobil des Deutschen Bundestages auf dem Marktplatz der Kreisstadt Station machte, regte der CDU-Bundestagsabgeordnete an, gemeinsam ein Zeichen gegen Falschnachrichten und Populismus zu setzen. In der Kreisvolkshochschule Freudenstadt fand er eine Partnerin, die dieses Anliegen unterstützte. „Demokratie ist keine Glückssache“, führte Vogt den Zuhörern im vollbesetzten Infomobil vor Augen, die auch gekommen waren, um mit dem Parlamentarischen Staatssekretär direkt ins Gespräch zu kommen.

Und so war diese Veranstaltung ja auch gedacht: Mit einem Bürgerdialog denen Paroli zu bieten, die – vor allem über Plattformen im Internet – bewusst Unwahrheiten verbreiten, um den Populisten den Weg zu ebnen. „Fake-News beginnen schon im täglichen Leben“, betonte der frühere Freudenstädter Bürgermeister Gerhard Link, unter Falschnachrichten und Mobbingversuchen würden vor allem junge Leute leiden.

Auch Europa sei eine Bildungsaufgabe, machte Marc Vogt in seinem Impulsvortrag deutlich. Nicht oft genug könne man darauf verweisen, dass Europa seit über 70 Jahren für Frieden und Wohlstand stehe. Doch leider sei diese historische Leistung für viele schon allzu selbstverständlich. Dabei ermögliche gerade die europäische Vielfalt den Menschen, voneinander zu lernen. Die Volkshochschulen arbeiteten täglich daran, dass möglichst viele Anteil an dieser Horizonterweiterung haben, um die Historie auch in größerem Zusammenhang zu sehen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel forderte, die Leistungen der Volkshochschulen und politischen Stiftungen noch mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Geschehens zu rücken. „Mir ist durch ihre Worte erst richtig bewusstgeworden, welche Bedeutung die Volkshochschule für unsere Demokratie hat“, gab der Politiker freimütig zu. Politisches Wissen trage entscheidend dazu bei, Fake-News richtig einschätzen zu können. Deshalb forderte Fuchtel „genügend finanzielle Ausstattung für politische Bildungseinrichtungen“, die dazu beitragen, dass die Generationen mehr voneinander lernen. „Das hat unsere Gesellschaft lange vernachlässigt“, betonte Fuchtel, der davor warnte, bewusste Fehlinformationen und den Populismus allzu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Großen Respekt zollte er auch denjenigen, die durch politisches Engagement dagegenhalten und für Werte eintreten.

Von der Idee des direkt gewählten Bundestagsabgeordneten, mit Bürgerdialogen für mehr Demokratieverständnis zu werben und den Populisten den Kampf anzusagen, ließen sich auch der Freudenstädter Oberbürgermeister Julian Osswald und der Bundestagskandidat der Grünen anstecken. Mit Verschwörungstheorien und Nachrichten, von denen man nicht wisse, woher sie stammen, sollte man sehr kritisch umgehen, warnte Andreas Kubesch. Die Volkshochschule leiste wertvolle Aufklärungsarbeit für die Demokratie.

Mit dem Besuch von Kursen und Vorträgen allein, machte Marc Vogt allerdings deutlich, sei es nicht getan: „Man muss schon selber was tun und dagegenhalten, wenn Antidemokraten unterwegs sind!“ das Infomobil besuchten in Freudenstadt mehrere hundert Menschen.

fufake

Bürgerdialog gegen Fake-News: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Marc Vogt vor Zuhörern im Infomobil des Deutschen Bundestages in Freudenstadt. 

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