13.04.2017

Bindeglied für Entwicklungszusammenarbeit

Engagement: Neues Programm nutzen / Staatssekretär Fuchtel wirbt bei Lehrern um Unterstützung / Herausforderungen verstehen lernen

Bad Wildbad: Schulen müssen in die Lage versetzt werden, mehr zum Verstehen der neuen Herausforderungen an die globale Welt auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit beizutragen, unterstrich der Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel anlässlich seines Arbeitsbesuchs bei der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung in Bad Wildbad. In diese Richtung gehe ein neues Programm seines Ministeriums. Er bat darum, über die Akademie für eine aktive Umsetzung zu sorgen. 

 Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) habe mit dem Programm zur entwicklungspolitischen Inlandsbildung bereits wertvolle Erfahrungen zur Etablierung von globalem Lernen an Schulen gemacht, ermunterte Fuchtel zum Engagement der Lehrkräfte. Mit dem jetzigen Finanzvolumen können weit mehr Schulklassen in die Projekte für den Lernbereich Globale Entwicklung eingebunden werden.

Um die neuen Herausforderungen der jungen Generation näher zu bringen und den Blick zu schärfen, dass es für die globalen Herausforderungen keine einfachen Rezepte gebe – wie manche glauben machen wollten – hat das Vorläufer-Programm eine generelle Überarbeitung und finanzielle Ausweitung erfahren. Fuchtel: „Die junge Generation muss schlichtweg mehr über die Zusammenhänge erfahren!"

Durch die Zusammenarbeit würden länderübergreifende Synergieeffekte erzeugt. Ziel sei dazuhin, das UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ flächendeckend an allgemein- und berufsbildenden Schulen zu verankern.

Die Direktoren Carmen Mattheis und Bernd Schinko zeigten sich sehr interessiert an den nachhaltigen Bestrebungen der politischen Ebene. Bezüglich der Arbeit der Landesakademie war der Staatssekretär "im positiven Sinne" erstaunt über deren gute Auslastung.

Auch für das Hotel- und Gaststättengewerbe sei die Akademie gut in Bad Wildbad platziert. Das stärke den Tourismus in der Region. Ein Teil der Lehrkräfte, die zur Weiterbildung kommen, übernachtet sogar in örtlichen Beherbergungsbetrieben. Das helfe sehr bei der Grundauslastung und sei Teil der Strukturhilfe, die die öffentliche Hand unkonventionell leisten könne.

Der Staatssekretär warb dafür, die Akademie als Brücke zum Tourismus zu verstehen und die Gäste in diesem Sinne auf die Angebote aufmerksam zu machen. Auch die Tourismuseinrichtungen sollten gezielt auf die Akademie zugehen, schlug Fuchtel vor: „Nicht so oft kommen potenzielle künftige Gäste ohne Werbung bis vor die Haustür.“

Fuchtel brachte eine Reihe von Hinweisen über konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten ein und bat die Akademie, sich durch Vorschläge an die Lehrer zu beteiligen. Die deutsche Entwicklungshilfe engagiere sich nicht nur bei akuter Not, sondern setze mit ihrer Arbeit ebenso bei den Fluchtursachen an. „Unsere globale Welt muss an den Wurzeln verbunden werden“, sagte Fuchtel. Da seien Bildungspartnerschaften ein vielversprechender Weg. Lehrerinnen und Lehrer sollten jungen Leuten Mut machen, die Entwicklungshilfe auf Zeit zu unterstützen.

Ältere Berufskollegen, die auf dem Weg in den Ruhestand seien, könnten ihre Lebenserfahrung durch Auslandseinsätze über den Senioren Experten Service (SES) ausbauen. Mit dieser Arbeit würden sie zur Verbesserung der Lebenssituation in Entwicklungsländern beitragen. Viele Lehrkräfte hätten wertvolle Fremdsprachenkenntnisse, die beispielsweise auf dem Balkan dringend gebraucht würden. „Wir suchen dort nach neuen Wegen, um jungen Menschen eine Perspektive zu geben“, betonte Fuchtel. „Für den Kosovo schwebt mir sogar eine virtuelle Patenschaft vor“, um diesen Gedanken stufenweise zu realisieren: „Jugendliche bilden sich in Deutschland weiter, um sie anschließend in ihrer Heimat auf dem Weg ins Berufsleben zu begleiten.“

 

fuakademie

 

Synergieeffekte für die Entwicklungszusammenarbeit im Blick (von links): Carmen Mattheis, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Bernd Schinko in Bad Wildbad.

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