15.07.2017

Hilfe für Honduras Wälder

Austausch: Calwer Forstverwaltung empfängt Forstleute aus Mittelamerika / Initiative von Staatssekretär Fuchtel

Calw / Bad Liebenzell: Die Herausforderungen sind die gleichen. Weil aber die Forstleute im Nordschwarzwald deutlich weiter in der Bekämpfung von Schädlingen sind, ließen sich jetzt Vertreter des Zentralen Forstinstituts aus Honduras von Mitarbeitern des Calwer Forstamtes darüber aufklären, wie man dem Borkenkäfer am besten zu Leibe rückt. 

Die Initiative dazu hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel ergriffen, nachdem ihm der honduranische Botschafter Ramón Custodio Espinoza bei einem Besuch im Nordschwarzwald von den Problemen in seiner Heimat berichtet hatte. Fuchtel, als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für Lateinamerika zuständig, schlug eine Informationsreise von honduranischen Forstfachleuten nach Baden-Württemberg vor, wo Waldwirtschaft für den Tourismus eine große Rolle spielt. Wenn es nämlich zur endgültigen Zerstörung großer Waldflächen in Lateinamerika kommen würde, sei das langfristig für den Klimawandel relevant, so Fuchtel.

Nachdem Misael León Carvajal, Exekutivdirektor des Forstinstitutes ICF, Saddy Pineda, Abteilungsleiter für Klimawandel und Wald, sowie Dr. Marlon Escoto, Beauftragter des Präsidialbüros für Klimawandel, zuvor in Freiburg in die Theorie der forstwirtschaftlichen Arbeit nach deutschem Vorbild eingeführt worden waren, erlebten sie im Calwer Forstbezirk die Praxis. Begleitet von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) trafen sie sich mit Dr. Bernhard Hanisch, Abteilungsleiter Waldwirtschaft und staatlicher Holzverkauf, sowie seinem Team, um weitere Details über die multifunktionale Bewirtschaftung der Wälder im Nordschwarzwald zu erfahren. Bei forstkundlichen Führungen durch ausgewählte Reviere wurde das Wissen anderntags weiter vertieft.

Dass Eile auf honduranischer Seite geboten ist, wurde an Hand des Zahlenvergleichs sehr schnell deutlich. 500.000 Hektar Wald sind in Honduras bereits durch Borkenkäfer geschädigt. Das entspricht der anderthalbfachen Fläche des Staatswaldes in Baden-Württemberg. „Für uns eine unvorstellbare Zahl“, sagte Dr. Gunter Simon, der zuständige GIZ-Programmdirektor Kommunale Waldwirtschaft und Anpassung an den Klimawandel.

Dass der Wald für das Land ein „wichtiges Gut“ ist, das auch im Sinne des Tourismus gepflegt werden muss, betonte Martin Hein, „die Waldschutzproblematik und der Klimawandel sind auch bei uns hochaktuell.“ Hinzu kämen Sorgenkinder wie die Esche, die unter dem Pilzbefall Schaden nehme, und die Fichte, die dem Klimawandel nur bedingt standhalten werde. Mit staatlicher Förderung werde der Umbau der Wälder in Mischpflanzungen unterstützt, um sie robuster gegen Klimaeinflüsse zu machen und die Produktivität zu erhöhen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel lobte die Forstleute aus seinem Wahlkreis, die sich sofort bereiterklärt hätten, die Delegation aus Honduras umfassend zu informieren. „Wenn man sie braucht, sind sie da“, betonte der Politiker, der auf die „extrem gepflegten Wälder“ im Nordschwarzwald verwies. „Unsere Gäste aus aller Herren Länder wollen auf ordentlichen Wanderwegen unterwegs sein“, verwies der Staatssekretär auf die Bedeutung der Waldwirtschaft für den Tourismus. Davon wusste auch Bürgermeister Dietmar Fischer aus Bad Liebenzell ein Lied zu singen, wo die mittelamerikanische Delegation für drei Tage Quartier bezog.

„Wir leben in einem bevorteilten Teil dieser Welt“, sagte Fuchtel abschließend, „da muss es auch unser Auftrag sein, anderen Ländern unser Wissen weiterzugeben.“ In derartigen internationalen Begegnungen stecke eine Chance zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, von dem wiederum beide Seite lernen könnten. 

 

 

fuhonduras 

Forstexkursion im Calwer Wald mit (von links): Dr. Bernhard Hanisch, Saddy Pineda, Dr. Marlon Escoto, Dolmetscherin Laura Broo, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Martin Hein, Misael León Carvajal, Dr. Gunter Simon, Bürgermeister Dietmar Fischer, Alex Volkert und Uwe Göbel. [Druckversion]