28.07.2017

Gesundheit als Standortfaktor

Ministeriumsbesuch: Widmann-Mauz zeigt Internet-Apotheken ihre Grenzen auf / Fuchtel: Anlaufstellen für Patienten erhalten

Gesundheit als Standortfaktor Mit Leidenschaft über Gesundheitspolitik im Freudenstädter Kienbergsaal diskutiert (von links): Gerhard Link, Oberbürgermeister Julian Osswald, die Parlamentarischen Staatssekretäre Annette Widmann-Mau und Hans-Joachim Fuchtel sowie Landtagsabgeordneter Norbert Beck.

Freudenstadt. Wenn der ländliche Raum attraktiver werden soll, muss auch die medizinische Versorgung stimmen. Das steht für Annette Widmann-Mauz außer Frage. In Freudenstadt konzentrierte sich die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Gesundheitsministerium ausschließlich auf die Konzepte der Union, ohne auf den politischen Gegner einzudreschen.

„Ich bin richtig stolz darauf, dass wir es geschafft haben, den Erhalt der klassischen Apotheken in unser Wahlprogramm aufzunehmen“, fasste der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel die wichtigste Erkenntnis dieses Abends im Kienbergsaal zusammen. „Die Apotheke ist eine Anlaufstelle für die Patienten, das darf man uns nicht kaputtmachen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär, „da bin ich sehr leidenschaftlich.“

Diese Leidenschaft teilt er offensichtlich mit seiner Kollegin aus dem benachbarten Wahlkreis Tübingen: „Der Internethandel muss sich nicht an deutsche Spielregeln halten. Deshalb wollen wir auch in Zukunft das verschreibungspflichtige Arzneimittel haben“, sagte Annette Widmann-Mauz im Rahmen der CDU-Veranstaltungsreihe „Zur Sache konkret!“ Doch außer den Linken sei die Union die „einzige Partei, die zur Apotheke steht!“

Mehr noch: Wer die regionale Apotheke wolle, der müsse auch die medizinische Versorgung auf dem Land stärken. Denn wo Arztpraxen fehlen, sei es eine Frage der Zeit, bis auch der Apotheker die Segel streiche.

Deshalb ist die Staatssekretärin für die Förderung junger Akademiker, die sich für den ländlichen Raum entscheiden, wozu die Reformierung der Studienzulassung durch geeignetere Auswahlverfahren gehöre. Bund und Länder hätten einen Masterplan ausgehandelt, womit die Allgemeinmedizin gestärkt und mehr Praxisnähe vermittelt werde.

Wie sehr das Thema auf den Nägeln brennt, hatte eingangs der CDU-Landtagsabgeordnete Norbert Beck verdeutlicht. 53 Prozent der Ärzte im Kreis Freudenstadt haben die Altersgrenze von 60 Jahren bereits überschritten. Auch Beck betonte, dass nicht allein die Noten Auskunft über die Qualitäten eines Arztes geben würden.

„Gesundheit ist ein Standortfaktor“, machte Oberbürgermeister Julian Osswald deutlich, während sich Moderator Gerhard Link bei dem prominenten Gast für das in Freudenstadt entfachte „Feuerwerk quer durch die Gesundheitspolitik“ bedankte. Dazu gehörte, den Erhalt der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser zu fordern sowie die Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu stärken.

„Der Anteil älterer Menschen mit Versorgungsbedarf nimmt zu“, sagte Widmann-Mauz. „Deshalb brauchen wir eine komplexe Struktur, um die Menschen gut zu versorgen.“ Ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz sei notwendig, wobei nicht daran gedacht sei, strukturschwachen Ländern die besten Kräfte zu nehmen. „Wir müssen zuallererst das Potenzial im eigenen Land ausschöpfen.“

Anspruch der CDU sei, für gleichwertige Lebenschancen zu sorgen, machte die Staatssekretärin deutlich, also müssten Anreize geschaffen werden, um den ländlichen Raum attraktiver zu machen. Mit der Förderung von Gemeinschaftspraxen zum Beispiel, „weil die Jungen keine Einzelkämpfer mehr sein wollen“, oder durch die Neustrukturierung des Notdienstes, um die Ärzte zu entlasten. Ein Roboter werde nie eine Pflegekraft ersetzen, „aber die moderne Technologie kann helfen, die Qualität der Versorgung zu verbessern. 

Dass Veränderung auch zum Positiven im ländlichen Raum möglich sei, verknüpfte die Staatssekretärin mit einer persönlichen Erinnerung. Als kleines Mädchen sei sie mit ihren Eltern oft nach Freudenstadt zum Wandern gekommen. Freudenstadt habe lange als überaltert gegolten. „Heute sehe ich, dass der wirtschaftliche Aufschwung auch bei ihnen angekommen ist.“

[Druckversion]