04.08.2017

Vertriebenenpräsident trifft diskussionsfreudige Aussiedler

Aufklärungsarbeit: Dr. Bernd Fabritius räumt mit Vorurteilen auf / Unionspolitiker auf Fuchtels Einladung in Nagold

Vertriebenenpräsident trifft diskussionsfreudige AussiedlerDr. Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), sprach vor Aussiedlern und Vertriebenen in Nagold. Organisiert hatte den Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Anna Ohnweiler (erste Reihe links).

Nagold. Dass ihre „spontane Idee“ so einschlagen würde, hätte Anna Ohnweiler nie gedacht. Denn schließlich war die Einladung zu einem Austausch mit dem Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV) und CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Bernd Fabritius in erster Linie für eine besondere Zielgruppe gedacht.

Schließlich fanden sich über 30 Aussiedler und Vertriebene im Nagolder Adler ein, als Fabritius auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel und des CDU-Stadtverbandes Nagold nach eigenen Worten „politische Aufklärungsarbeit“ leistete. Anna Ohnweiler hatte, weil sie genug von falschen Behauptungen in sozialen Netzwerken hatte und für Gleichgesinnte ein Forum bilden wollte, kurzerhand den bayerischen Abgeordneten angeschrieben. Schon kurze Zeit später stand der Termin fest.

„Als CDU-Stadtverband ist es uns ein Anliegen, besonders auch die Aussiedler, die unter uns leben, zu erreichen“, freute sich Vorsitzender Kurt Reich über die Resonanz. „Meine Eltern waren Heimatvertriebene, weshalb ich die besondere Situation dieser Mitbürger durchaus einzuschätzen weiß.“

„Ich halte es für ungemein wichtig, mit den Menschen, die ich vertrete, vor Ort zu kommunizieren“, betonte Fabritius, „solche Möglichkeiten, mit Aussiedlern gezielt ins Gespräch zu kommen, um zu wissen, wo der Schuh drückt“. Für die Vertriebenen sei viel erreicht worden, ist Fabritius überzeugt. Es sei richtig, dass seit diesem Jahr zivile deutsche Zwangsarbeiter mit 2.500 Euro eine „symbolische Entschädigung“ für ihr Leid erfahren. Außerdem werde 2019 die Ausstellung “Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin eröffnet, mit der die Erinnerungen für die nächsten Generationen bewahrt werden. Dem diene auch der nationale Gedenktag für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung.

„Es liegt an uns, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen“, machte der Parlamentarier darauf aufmerksam, dass Parteien aus dem rechten Spektrum versuchten, einen Spalt in die Gruppe der Aussiedler zu treiben. „Was mich traurig stimmt ist, dass diejenigen, die für die AfD stimmen, gegen ihre eigenen Interessen handeln.“ Die AfD unterscheide zwischen in Deutschland geborenen und zugezogenen Deutschen, wie etwa Spätaussiedler. Diese seien bei der AfD Deutsche zweiter Klasse, denen man die Staatsangehörigkeit auch wieder entziehen kann. So etwas sei nicht akzeptabel! Da lohne es sich schon, das Parteiprogramm genau zu lesen. Fabritius: „Da geht es nicht um Sachpolitik, sondern um reine Polemik.“ 

Das Thema Flucht und Vertreibung sei aktueller denn je. Was Fabritius nicht möchte ist „alle Schicksale ungeprüft über einen Kamm zu scheren“. Denn so werde man dem Thema nicht gerecht. Heimatvertriebene könnten im Gegensatz zu vielen Kriegsflüchtlingen nie wieder zurückkehren. Nichtsdestotrotz „haben auch wir einmal Schutz bekommen.“ Also sei er froh, „dass wir eine Willkommenskultur haben“.

Unredlich sei jedoch, sich aus Eigennutz auf die Genfer Flüchtlingskonvention zu berufen, um die Flüchtlingshilfe zu behindern, ohne selbst tatsächlich verfolgt zu sein. Außerdem wies er auf die Mammutaufgabe „Integration“ in den nächsten Jahren hin. Diese verlange sowohl den Einheimischen als auch den Flüchtlingen viel ab. „Ich möchte nicht, dass wir noch einmal unsere Heimat verlieren, weil ich mich hier nicht mehr zuhause fühle“, betonte Fabritius. Wer hierbleiben wolle, dem müsse klar sein, dass zum Beispiel Vollverschleierung in Deutschland unerwünscht sei und dass es zur hiesigen Kultur gehöre, einer Frau respektvoll die Hand zu reichen.

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