30.10.2017

Nagold und Indien kommen sich näher

Bildung: Indischer Staatsminister sieht Kooperation / Fuchtel bringt Rolf-Benz-Schule in den Fokus / Bündel von Ideen

Nagold und Indien kommen sich näherInnovativer Schritt in Sachen internationale Kooperation in der beruflichen Bildung: der indische Staatsminister Dr. Kodumudi P. Krishnan gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in der Rolf-Benz-Schule in Nagold, um die Basis dualer Ausbildung zu erörtern. Foto: k-w

Nagold. So schnell kann‘s gehen: Kaum hatte Direktor Dr. Reinhard Maier die Botschafterin verabschiedet, da klopfte die indische Regierung bei der Rolf-Benz-Schule in Nagold erneut an. Der für Bildung zuständige Staatsminister Dr. Kodumudi P. Krishnan wollte sich bei seinem Deutschlandaufenthalt persönlich ein Bild von „echter dualer Ausbildung“ machen.

Kurzerhand wurde das viertägige Programm geändert und das Nagolder Berufsschulwesen avancierte zum Vorzeigeobjekt der Republik. Eingefädelt wieder einmal vom hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel. In Indien will man Komponenten der dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild realisieren, um den jungen Menschen in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt bessere Perspektiven zu geben. Dankbar zeigte sich der hochrangige Regierungsvertreter, dass der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel alles daran setzte, den ursprünglich in Berlin vorgesehenen Termin raus in die Provinz zu verlagern.

„Wir wollen die Ausbildung der jungen Leute in unserem Land verbessern“, machte Krishnan deutlich, und – nachdem er sich zwei Stunden im gesamten Schulkomplex umgesehen hatte, bei fachlicher Erläuterung im korrekten Englisch sowohl von Schüler- wie auch Lehrerseite – die Frage des Inders: „Können wir über eine Schulpartnerschaft reden?“ Darauf war man seitens des Landkreises indes nicht gefasst. Aber Zeno Danner, der Stellvertreter des Landrats, antwortete beherzt: „Die Chance zu mehr übernationaler Kooperation wollen wir gerne prüfen.“

Fuchtel freilich ließ die mit Fachleuten besetzte Delegation nicht ohne greifbares Ergebnis Richtung Flughafen zurückreisen. Also verständigten sich die Bildungsexperten aus Indien, die Vertreter des Landkreises Calw und der Rolf-Benz-Schule auf weitere Arbeitsschritte unter Assistenz des Parlamentarischen Staatssekretärs.

Zunächst sollen zwei junge Inder bei einem Betrieb im Nordschwarzwald ausgebildet werden und die Rolf-Benz-Schule besuchen. Als Ausbildungsbotschafter werden sie dann in ihre Heimat zurückkehren, um die Idee einer dualen Ausbildung möglichst breit zu streuen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Bildung und Arbeit aus Neu-Delhi wird drei Monate lang die Nagolder Schule von innen kennenlernen. Parallel dazu wird der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel den Senior Experten Service (SES) auf den Plan rufen. Der SES ist im Auftrag der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit weltweit in den Schwellen- und Entwicklungsländern aktiv.

Die indische Expertenkommission zeigte sich beeindruckt von der Ausstattung der Schule mit modernsten Maschinen und Bearbeitungszentren. „Unser Ziel ist, die Schülerinnen und Schüler auf gleich hohem Level wie in der Industrie auszubilden“, erläuterten Direktor Dr. Reinhard Maier und Abteilungsleiter Rolf Auchter. Die hohen Gäste zeigten sich sehr überrascht, wie selbstverständlich Handwerk, Mittelstand und Industrie hierzulande bewusst in junge Leute investieren. Die Nagolder Antwort: Nur so kommt es zu so hoher Qualität und nur so kann Deutschland seine Stellung am Weltmarkt behaupten.

Und Hans-Joachim Fuchtel erläuterte pragmatisch: „Wenn Firmen schlechte Qualität liefern, fällt das auf sie zurück, und es entstehen höhere Kosten.“. Kein Wunder, dass mittlerweile sogar Headhunter versuchen, die jungen Auszubildenden abzuwerben, wie Norbert Weiser, Abteilungsleiter Jugendhilfe beim Landkreis Calw, zu berichten wusste.

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