23.03.2018

Im autonomen Verkehr vorne dabei sein

Mobilität 4.0: Klaus-Peter Thierer macht Vorschläge / Fuchtel offen für Ideen / Vision: Individuelles Carsharing als Pilotprojekt

Nagold: Wenn es nach dem Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel geht, dann fährt der ländliche Raum im autonomen Verkehr ganz vorne mit. Er könne sich durchaus ein Pilotprojekt im Nordschwarzwald vorstellen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär dem Nagolder Klaus-Peter Thierer. 

Der Mitgründer von „pro-eMobil“ hatte in der Sprechstunde des Abgeordneten die Frage aufgeworfen, ob das Obere Nagoldtal nicht geeignet wäre, autonom gesteuerte Elektro-Fahrzeuge einzusetzen, um den S-Bahnverkehr zu erreichen. Auch könne eine mögliche Gartenschau in Altensteig Ausgangspunkt einer Zubringerroute sein. „Wir müssen ein solches Projekt für uns sichern!“ schlug Thierer im Gespräch mit dem Parlamentarier und Kurt Reich vom Nagolder CDU-Ortsverband vor. Fuchtel nahm Thierers Vorstoß als „sehr großen Impuls“ auf.

„Ich denke sogar noch eine Stufe weiter“, sagte der Parlamentarier, „ein modernes Carsharing-System wäre der richtige Weg.“ Dann könnten mehrere Bürgerinnen und Bürger ins gleiche Auto steigen. Die Technik sei bereits soweit, aber es gebe noch Hemmschwellen. Außerdem brauche man dafür „ein sauberes digitales Netz“ ohne Funklöcher. Ein derart individuelles Carsharing auf den Weg zu bringen, sei nicht nur verlockend, sondern auch eine Verbesserung der Lebensqualität.

Wenn man jedoch als Region vorankommen wolle, müsse man seine Chancen in Berlin rechtzeitig ausloten. „Ich möchte nicht, dass der ländliche Raum in der Frage des autonomen Fahrens hintenansteht“, so Fuchtel. Ein entsprechendes Pilotprojekt trage eindeutig zur Standortverbesserung bei.

Das autonome Fahren sei im Koalitionsvertrag unter dem Oberbegriff „Mobilität 4.0“ aufgenommen. Dabei gehe es nicht nur um die Einrichtung neuer digitaler Testfelder, sondern auch um die Schaffung rechtlicher Voraussetzungen für die Erprobung und Weiterentwicklung des autonomen Fahrens.

Für neue Mobilitätsangebote wie Fahrgemeinschaften mit Steuerungsmöglichkeiten durch die Kommunen müsse der Rechtsrahmen geöffnet werden. Analog dazu sollte das Personenbeförderungsgesetz modernisiert werden. „Wir wollen Datenschutz und Datensicherheit ebenso gewährleistet sehen wie ein Höchstmaß an Sicherheit“, zitiert Hans-Joachim Fuchtel aus dem Koalitionsvertrag.

„Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ein wichtiger Bestandteil moderner Mobilität“, ist man auch im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BVMI) überzeugt. Deutschland habe sich als Vorreiter und internationaler Impulsgeber etabliert, kommt das BVMI im November in einem Bericht zum Schluss. Auf deutsche Initiative hin markieren seit 2015 die Entwicklung und Einführung entsprechender Technologien in Verbindung mit intelligenten Verkehrssystemen wesentliche Schwerpunkte der Zusammenarbeit der G7-Verkehrsminister.

Die Bundesregierung setze sich dafür ein, optimale Rahmenbedingungen und die erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung entsprechender Systeme zu schaffen, so Fuchtel. Schon 2013 habe das BMVI einen Runden Tisch "Automatisiertes Fahren" als beratendes Gremium etabliert, das einen engen Austausch mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung garantiere. In diesem Sinne ziele Thierers Vorstoß genau in die richtige Richtung.

Hans-Joachim Fuchtel abschließend: „Wir müssen das Gespräch vor Ort jetzt aufnehmen und mögliche Konzeptionen andenken, damit die Sache in Schwung kommt!“ 

 

futhierer 

Über das autonome Fahren tauschten sich in Nagold aus (von links): Kurt Reich vom CDU-Ortsverband, der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel und Klaus-Peter Thierer.

[Druckversion]